modernisierte dampflokomotiven

"Nichts bleibt, wenn sich nichts ändert", lautet ein bekanntes Sprichwort. Seit der Erfindung der Dampfmaschine hat sich das Umfeld stark verändert. Waren qualmende Schornsteine früher ein Zeichen für eine florierende Industrie, sind sie heute aus Gründen des Umweltschutzes verpönt und aus dem Alltag verschwunden. Sieht jemand aus der Ferne eine Rauchwolke, wird sofort die Feuer-wehr alarmiert, die dann nicht selten auf eine qualmende, kohlegefeuerte Dampflokomotive trifft.

Nicht nur die Umwelt hat sich entwickelt, auch die Technik hat seit der Erfindung der Dampfmaschine Fortschritte gemacht. Diese neuen Möglichkeiten für die Dampftraktion sinnvoll zu nutzen, ist das Ziel der mit modern steam bezeichneten Entwicklungen der DLM.

Aus technischer Sicht sind neue Dampflokomotiven und Dampfmaschinen den Modernisierungen überlegen, weil bei den Modernisierungen stets Kompromisse notwendig sind, die sich bei den Neubauten vermeiden lassen. Modernisierungen erlauben es aber, bestehende Fahrzeuge unter den heutigen Gegebenheiten weiterhin im Einsatz zu behalten. Nachstehend werden einige von uns so modernisierte Dampflokomotiven vorgestellt.

Dampflokomotiv- und Maschinenfabrik DLM: 52 8055

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Die moderne Technik erlaubt es, Dampflokomotiven und Dampfmaschinen zu bauen, die viel wirtschaftlicher, ökologischer und leistungsfähiger sind als ihre traditionellen Vorfahren. In der Regel lohnen sich neue Konstruktionen, aber es gibt auch Gründe für "sanfte" Revisionen. Die so erzielbaren Verbesserungen sind von der originalen Konstruktion und vom Grad der Modifikationen abhängig. Die folgenden Verbesserungen können für Umbauten empfohlen werden:

  • Leichtölfeuerung -> sehr saubere Verbrennung, besserer Wirkungsgrad, kein Funkenflug, kürzere Vorbereitungs- und Abrüstzeiten, keine Asche und Schlacke
  • Wälzlager  ->  wartungsfrei, weniger Unterhaltskosten, weniger Rollwiderstand
  • Wirksamere Isolation  ->   spart Energiekosten, kürzere Vorbereitungszeit
  • Verbesserte Dampfströmung  ->  mehr Leistung, besserer Wirkungsgrad
  • Optimierter Massenausgleich  ->  verbesserter Fahrkomfort, höhere Geschwindigkeit möglich

Die Leichtölfeuerung besticht durch die einfache Bedienung und die sehr sauberen Abgase. Dampflokomotiven können aber mit fast allen Brennstoffen fahren. Oft ist es wirtschaftlicher, Kohle oder Biomasse zu verbrennen. Mit einem neuartigen Vergasungssystem lässt sich eine gute Verbrennung mit wenig Rauch, ein besserer Wirkungsgrad und eine höhere Leistung erzielen.

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Brig–Visp-Zermatt-bahn: HG 2/3 Nr. 7 "Breithorn"

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Diese meterspurige Zahnrad- und Adhäsionsdampf-lokomotive wurde mit Kohlefeuerung nur noch sehr selten eingesetzt. Dies änderte nach dem Umbau auf Leichtöl-feuerung, weil dies den Betrieb vereinfacht und zuverlässiger macht. Wegen des historischen Wertes der Lok wurde auf eine weitergehende Modernisierung verzichtet. Das hiess allerdings, dass die bescheidene Geschwindigkeit nicht erhöht werden konnte. Weil es schwierig wurde, im dichten Fahrplan eine für Passagiere akzeptable Lücke ohne lange Wartezeiten zu finden, wurde Lok "Breithorn" zur Dampfbahn Furka Bergstrecke transferiert.

Vitznau-Rigi-Bahn: H 1/2 Nr. 7

Vitznau - Rigi Bahn Nr. 7

1873 baute die Schweizerische Lokomotiv & Maschinenfabrik SLM in Winterthur ihre erste Lokomotive, die normalspurige Zahnrad-Dampflokomotive Nr. 7. Zum 125-Jahr-Jubiläum der SLM und der Vitznau–Rigi-Bahn wurde die einmalige Dampf-lokomotive Nr. 7 restauriert und 1996 wieder in Betrieb genommen. Obwohl die Revision möglichst originalgetreu ausgeführt wurde, forderten der Zustand, die Betriebs-bedingungen und die heutigen Vorschriften einen neuen Kessel und sogar einen neuen Antrieb. (Mit dem originalen Antrieb konnte nicht über Weichen gefahren werden). Die Kohlefeuerung wurde beibehalten.

Nach zwei erfolgreichen Sommersaison mit täglichem Betrieb auf der Vitznauer- und der Arther-Linie wurde die einmalige Dampflokomotive Nr. 7 an das Verkehrshaus der Schweiz (VHS) in Luzern zurückgegeben. Die Dampfzüge der Rigibahnen werden von den neueren Dampflokomotiven Nr. 16 und 17  befördert. Weil die Dampflok Nr.7  in betriebsfähigem Zustand und mit dem neuen Antrieb im VHS abgestellt wurde, kann sie aber bei weiteren Jubiläen wieder eingesetzt werden.

Rhätische Bahn und Club 1889: g 3/4 Nr. 11 "Heidi" 

Die 1903 von der SLM Winterthur erbaute meterspurige Dampflokomotive G 3/4 Nr. 11 war bis 1977 bei der Rhätischen Bahn (RhB) eingesetzt. 1952 hatte sie im Schweizer Heidi-Film einen kurzen Auftritt und seitdem trägt sie diesen Namen stolz an der Rauch-kammertüre. Nach einem kurzen Gastspiel bei den Modelleisenbahnfreunden Eiger Zweilütschinen (MEFEZ) wurde sie im Jahr 2000 vom Bündner Club 1889 erworben. 2005 bis 2015 wurde sie von der DLM AG, der RhB und dem Club 1889 umfassend revidiert und modernisiert. Die DLM lieferte einen neuen, geschweissten Kessel mit Überhitzer und sauberer, funkenfreien Leichtölfeuerung, neue Kolben und Flachschieber, die RhB revidierte das Fahrwerk und die Vereinsmitglieder des Club 1889 revidierten die anderen Teile.

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Borkumer Kleinbahn, deutschland: DAmpflok "Borkum"

Borkumer-Kleinbahn-Deutschland

Diese kleine Dampflokomotive arbeitet regelmässig auf der 900 mm Spur Linie der Insel Borkum. Dank Leichtölfeuerung und elektrischem Vorheizgerät ist der Betrieb sehr sauber, was dort zwingend ist, da die Bahn mitten durchs Dorf fährt, ähnlich einer Strassenbahn. Das äussere Erscheinungsbild blieb unverändert, jedoch erhielt die Dampflokomotive auch einen neuen geschweissten Kessel mit Überhitzer.

Puffing Billy Railway, Australien: Na-class Nr. 14 A 

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Die weltberühmte, in der Nähe von Melbourne gelegene Touristenbahn mit dem sympathischen Namen "Puffing Billy" ist mit jährlich mehr als 500'000 Passagieren (vor Corona) eine der erfolgreichsten Ausflugsbahnen überhaupt. Obwohl Melbourne nachgesagt wird, dass die vier Jahreszeiten durchaus an einem Tag stattfinden können, gibt es oft längere Trockenzeiten mit grosser Waldbrandgefahr. Wegen des Funkenfluges dürfen die kohlengefeuerten Dampflokomotiven dann nicht fahren. Damit auch in diesen Zeiten Dampfzüge angeboten werden können, wurde die Dampflokomotive 14 A auf Leichtölfeuerung umgebaut.